Die Sieben Tage nach der Panchakarmakur ...

... eine kleine Alltags-Odysee

Zum Tagesablauf und weiteren Beschreibungungen der Kur geht es hier

Nach 14 Tagen in der Ayurveda-Oase fühlte ich mich entgiftet, verlangsamt und auch ein klein bisschen kraftlos.

Eine Reinigungskur nach alter Ayurveda-Tradition ist wie ein Grundputz für Körper und Seele. Und alles andere als Wellness. Die Zellen, Organe und der Stoffwechsel arbeiten auf Hochtouren und scheiden alles aus, was wir nicht mehr brauchen.
Mein Körper fühlt sich strahlend und leicht an, ganz weich und flexibel und irgendwie habe ich das Gefühl mein physisches "Ich" beschützen zu müssen.
Meine Seele ist durchlässig und sanft und jede Menge alter Gefühle und ungelöste Lebens-Themen haben sich an die Oberfläche gedrängt.
Eine gute Möglichkeit hin zu sehen und zu bedenken, was ich davon behalten möchte und was es loszulassen gilt.

Ich verlasse das Kurzentrum mit euphorischen Gefühlen und ein bisschen erleuchteten Einsichten.
Fast als schwebte ich auf Wolke 7 durch die Herbstlandschaft davon. Ein schönes Gefühl, das ich auch von meiner ersten Panchakarmakur noch kenne.

In der zivilisierten Welt gehts dann aber mit den Herausforderungen schon los.
Meine Sinne fühlen sich von all den Eindrücken überladen, rundherum ist es zu laut, zu viel, zu schnell. Ich komme mit meinen Augen und meinen Ohren gar nicht hinterher.
Mein Körper sehnt sich nach den basisch, "sattvischen" Ayurveda-Mahlzeiten und die Auswahl an Speisen, die ich in Cafés oder Restaurants zu essen bekomme, passen überhaupt noch nicht in die Vorgaben, die ich in den ersten Wochen zu beherzigen habe.

Dumm nur, dass ich mich entschlossen hatte noch nicht direkt nach Hause zu fahren, sondern zwei Tage durch die Lande zu ziehen. Na denn - Challenge accepted :) Was solls, es wird schon gut gehen.

Indisch essen ist eine gute Wahl, wenn auch üblicherweise etwas zu fettig gekocht wird. Glücklicherweise wird aber intensiv gewürzt und das tut meiner Verdauung gut.
Im Bioladen besorge ich mir Chuffli und Matchatee, Datteln und Mandelmus. Ist sowieso mein Lieblingsfrühstück.
Ich überlebe!

Bis ich in Regensburg ankomme, habe ich mich schon ein bisschen an das weltliche Leben adaptiert und nicht mehr ganz so sehr das Gefühl in einem Paralleluniversum zu sein.

Der Sonntag im Café, über Abrechnungen und Mails, erledigt den Rest und holt mich "nach Hause" zurück.
Schön, irgendwie!
Meine offenen Sinne empfinden vieles "gewohnte" als aufregend und angenehm! Gerüche, Geräusche, Farben.

Ab Montag stehe ich in der Küche und backe - Unsere Konditorin ist im Urlaub und ich darf alles alleine machen. Wunderbar!
Endlich darf ich auch wieder meine Hände benutzen. Die hatten jetzt ja auch 10 Wochen keinen Handlungsspielraum in diesen Orthesen. Die Brüche sind gut verheilt und backen ist gelebte Physiotherapie!

In den kommenden 7 Tagen bin ich erstaunt, wie müde ich jeden Abend ins Bett falle und zum ersten Mal erkenne ich, was für ein Tagespensum ich vor meinem Unfall gewohnt war. Das was ich jetzt leiste, macht die Hälfte von dem aus, was ich zu erledigen gewohnt war.

Diese Selbstwahrnehmung möchte ich mir beibehalten. Und vor allem weiterhin auf Auszeiten für meine Seele achten.
Wäre der Unfall nicht passiert, hätte ich all das nicht gelernt. Und dafür bin ich dankbar. Ein Glücksfall!