Notaufnahme Konstanz

So schnell kann´s gehen

Nach einem außerordentlich gemütlichen Tag mit vielen Stunden lesen in der Sonne ("Georg Schweisfurth : Nachhaltig leben für alle") radelte ich gegen Mitternacht die Uferpromenade am Rhein entlang in meine Unterkunft zurück.
Völlig in Gedanken und außerdem müde, übersehe ich die stufige Erhebung auf der sonst absolut durchgängig flach geteerten Strasse.
Ein paar Jungs, die auf dem Mäuerchen zum Wasser hin verweilen, schreien: "Vorsicht! Langsam..." doch da fliege ich schon über den Lenker, in hohem Bogen auf den Asphalt. SCHEISSE! - denke ich.

Die Jungs schreien auch "Scheisse" - springen auf. "Ist dir was passiert?" "Oh mein Gott, gerade haben wir noch davon geredet, dass hier gleich einer fliegt, weil man die Erhebung kaum sieht" - "Ist nicht mal 3 Minuten her"

Ich zittere, bewege meine Handgelenke. Einmal rundherum. Es geht.
Aber ich kann mich nicht aufstützen, geschweige denn aufstehen. Ein paar Minuten später geht es.
Zittrig trete ich den Heimweg an. Wer sein Fahrrad liebt der schiebt.

Drei Stunden später weise ich mich in der Notaufnahme in Konstanz ein. Inzwischen sind die Handgelenke dick und kaum mehr beweglich - und es tut ziemlich ekelig weh.

Der diensthabende Assistenzarzt drückt mir einen Spruch, ob das nicht auch hätte bis morgen Früh warten können.
Betreten entschuldige ich mich für die nächtlicher Störung und erzähle ihm von meiner Situation und dem geplanten Roadtrip - und dass ich nur zu Gast bin und eigentlich morgen weiter reisen wollte.

Und dass ich erstens verdächtige Schmerzen habe und zweitens ... eine Diagnose brauche, weil ich ja eine Lösung finden muss.
Er untersucht meine Arme, Handgelenke, Hände - lässt sie beide röntgen und taut, angesichts der Tränen in meinen Augen, langsam etwas auf.

Der Befunde ist gut. Keine sichtbare Fraktur.
Offensichtlich "nur" geprellt.

"Wie lange dauert das erfahrungsgemäß bis das abschwillt und ich die Hände einigermaßen bewegen kann?" - dazu kann er mir keine eindeutige Antwort geben.
Ich solle sie aber auf keinen Fall schonen und schön sachte belasten und dann werde das in 4-6 Tagen schon wieder abschwellen ....

Das Böse Erwachen kommt am nächsten Morgen.

Anruf der Klinik. Vorbestellt zum CT. Der Rötgenbefund wird angezweifelt.
Das Ergebnis des CT: Kahnbeinfraktur beidseitig.
Operation zur Repostition und Fixierung mit Hermannschraube.
Wunderbar!
Beide Hände im Gips .... hallelujahhh