Pausenraum / Freiburg Zähringen

Küchen-Nomadin, Klappe die Erste

mit Vier Gängen in Farben unterwegs

31. Oktober / 12 Uhr.

Ich treffe mit einem vollbepackten Kofferraum im Pausenraum ein. Vormittags war ich noch auf dem Freiburger Münstermarkt und habe ein paar letzte Besorgungen gemacht, jetzt heißt es ausladen und loslegen.

Eine halbe Stunde später habe ich meinen Platz in der Küche eingerichtet. Vor mir stehen 5 kg Rosenkohl und eine Kiste mit Kohlrabi, Pastinaken und Petersilienwurzeln. Im Lager warten noch Blumenkohl und Kürbis, im Kühlschrank Kräuter und in meinen Gewürzkisten allerlei Zauberei.
Erstmal Gemüse putzen - und zwar solches, das gerade frisch vom Acker kommt.

Zwei Stunden später: schon türmen sich edelstalfarbene Gastronormbehälter neben mir, in denen die vorbereiteten Mengen Rosenkohl, Kohlrabi und Kräuter warten, wie es weiter geht.
Jetzt trifft Felix ein, unser Photo- und Videograph, der den Abend begleiten und festhalten wird. Schöne Premiere!

Vier Stunden später - zwischen ist es halb fünf.
Lea vom Pausenraum bereitet neben mir ein paar Torten zu, die für den Feiertag bestellt wurden. Katrin, die den Nachmittag über gebacken hat, ist mit ihren Kuchen fertig und karamellisiert Mandelblättchen für mich. So ein schönes Miteinander an diesem besonderen Ort.
Felix kommt und geht mit seiner Kamera.

Meine To-Do-Liste hat inzwischen viele Haken und Striche, neben denen noch vereinzelt Ausrufezeichen hervor spicken.
"Was kann ich machen", fragt Lea über meine Schulter, "ich habe jetzt Zeit". Die Birne hobeln, und den Kürbis und ...
Felix filmt wie Kohlrabi zu Cremesuppe wird.

17:30 Uhr. Ein kleiner Moment Muffensausen macht sich breit. Liege ich weiterhin gut in der Zeit?
Wird alles reichen? ... es macht schon einen Unterschied, ob man in der heimischen Küche steht und in gewohnter Umgebung arbeitet, oder ob man fremdgeht und bei Freunden zu Gast ist.
Felix trinkt Kaffee. Übrigens seine liebste Nebenbeschäftigung.

18 Uhr. Das Muffensausen ist verflogen. Es läuft alles nach Plan. Jetzt sind die Arbeitsschritte für die einzelnen Gänge überschaubar. So manches Gemüse wartet auf Blechen ausgebreitet darauf, in den Ofen geschoben zu werden. Die Hirse gart im 20 L Topf. Wiebke und Lena, die das Café herrichten, kommen uns immer wieder für kleiner Absprachen in der Küche besuchen. Ein paar Dinneranwärter von der Warteliste bekommen noch einen Platz und sagen zu.
Ich schneide Kräuter. Felix filmt meine Hände.

18:30 Uhr. Der Weinbauer Mario Hug vom Weingut Hug ruft an - er stünde im Stau, komme etwas später.
Nun gut - das passiert.

19 Uhr. Wir stehen in den Startlöchern, aber ein Teil unserer Gäste steckt unterwegs noch in einer nahen Demo fest.
Unplanbare Zwischenfälle bereichern das Sortiment unserer individuellen Nervenkitzeleien.

Ich kitzele zurück und freue mich wie ein kleines Kind darüber hier sein zu dürfen und bin bis zum Hals gefüllt mit Zuversicht, dass der Abend prima wird.
Felix streunt mit seinen Kameras umher und wir laufen durchs Bild "sorry"!
"no problem" - schmunzelt er, "ist mein Job".

19:30 Uhr. Wir schicken den Gruß aus der Küche in Begleitung eines trockenen Secco vom Weißburgunder.
Saatenkeks / fermentierte Cashewcreme / Belugalinsenkaviar / Grünkohlchips / Saure Birne

20:00 Uhr folgt die Suppe in Begleitung eines Grauburgunder Kabinett.
Kohlrabi - Creme / fermentierter Kokos - Quark / Basilikum / Tempeh - Dattel - Spieß

20:20 Uhr. In den gläsern schimmert roter Spätburgunder, trocken. Die Vorspeise wird serviert.
Gegrillter Rosenkohl / Rosenkohlmousse / Granatapfel / Kräuterallerlei / Zitronensauce / Macadamia

20:55 Uhr. Die Gäste verkosten den von Mario vorgestellten Regent während ich den Hauptgang vorstelle
Blumenkohl mit Thymian - Senf - Kruste / winterliche Hirse / Schwarze Bohnen Hummus mit Kokos & Banane / Pflaumen - Zimt - Raita / Liebe!

Zeit zum Spülen.

21:30 Uhr das Dessert. Wer noch nicht beschwipst ist, bekommt jetzt noch einen Solaris angeboten. Und wer schon satt ist trotzdem ein Dessert kredenzt.
Kürbismousse / süß-scharfes Kürbislaub / Kardamomschaum / Mandelkrokant / weiße Schokolade

Die Leute lieben es und wir lieben es auch!
Entspannung macht sich breit und kriecht uns von den großen Zehenspitzen bis auf die Lippen.
"geschafft" ... der Abend ist ein Fest!

Zum Espresso verteile ich beschwipste Bratapfeltrüffel.
Drumherum tragen wir fleißig Teller in die Küche und es wird mit Hingabe gespült, verräumt, sortiert.

Die ersten Gäste gehen und bekommen von mir zum Abschied einen kleinen Glaskuchen mit Visitenkarte in die Hand gedrückt. Felix hält das fest.
Was war es mir ein Vergnügen - "Schön, dass ihr dabei gewesen seid"!

Felix dreht die letzte Szene ab. Dann macht er Feierabend.
Danke dass Du dabei warst!

00:26 Uhr. Ich habe meine Kisten wieder bestückt und alles zusammen gesammelt, was ich dabei hatte. Wir haben tausendundeine Fuhre Geschirr getrocknet, Lea und Wiebke die Böden geschrubbt und es sieht aus als wäre nichts gewesen.

Aber unsere Gesichter erzählen Geschichten, glückliche und müde Augen sprechen Bände und wir fallen bald ins Bett.
Auf ein nächstes Mal.