Seven Swans

mit zehn Gängen ins Neue Jahr

Das kleine aber exquisite Restaurant im schmalsten Haus am Frankfurter Main besticht durch sein einzigartiges Konzept.
Vegetarisch - veganes Fine Dining, Feld- und Ackerfrüchte aus der direkten Kooperation mit dem Permakulturgarten auf den Braumannsmatten und authentisch-transparente Küche!

Wir finden den Hauseingang kaum - so schmal und verborgen versteckt er sich zwischen den übrigen Bauten am Mainkai. Am heutigen Silvesterabend hat auch das Tiny Cup - die Bar im Erdgeschoss des Hauses geschlossen, so dass dieser Orientierungspunkt weg fällt.
Ahnend nähern wir uns den Stufen zur Eingangstür und noch während wir versuchen das Klingelschild in der Dunkelheit zu entziffern, öffnen sich uns die Pforten.
Man erwartet die Gäste schon.

"Euer Name / Herzlich Willkommen / die Garderobe bitte / folgt ihr mir? ..."
Gänsemärschig steigen wir ein sich schlängelndes Treppenhaus nach oben. Im Gastraum - einer von zweien - werden wir unserem Kellner des Abends übergeben.
Ein charmanter Charakter, der uns vom ersten Moment an fasziniert und amüsiert. Mit ihm werden wir Spass haben!
Wir blicken direkt auf das Mainufer. Die Skyline Frankfurts liegt uns im Rücken. Statt dessen erstreckt sich ein romantisches Brückenpanorama und die Kulisse von Sachsenhausen vor unseren Augen.
Die allerersten Silvesterknaller werden losgelassen und draußen herrscht eine gewisse Aufbruchsstimmung.

Da noch Zeit ist, erfrage ich, ob ich möglicherweise die Küche gezeigt bekommen könne?
"Oh ja! Natürlich", "Folgen Sie mir!".
Wieder betreten wir das sich in den Himmel schlängelnde Treppenhaus und aufwärts geht es.
Durch den zweiten Gastraum hindurch erklimmen wir die letzten Stufen zur Küche unter dem Dach des Hauses.
WOW!!! Mein Herz schlägt höher!
"Klein aber ohoooo" - mit Blick über die Dächer Frankfurts und zur anderen Seite auf den Main, der sich ergeben am Fuße des Hauses schlängelt.
"Wie muss es schön sein, hier zu stehen, zu bruzeln, zu schnippeln und kreativ zu sein!"

Zurück an unserem Platz warten wir noch eine kurze Weile, bis alle andere Gäste eingetrudelt sind und dann geht es los.

Ein Gruß aus der Küche - hausgemachtes Kräuteröl und Kräutersalz - aus eigenen Gartenkräutern von den Braumannsmatten.
Als Entrée gibt es Radieschen vom Acker - am selben Tag noch geerntet? ... Ricky Saward sagt mir später, dass diese, auf Grund des extrem milden Herbstes und noch nicht eingebrochenen Winters tatsächlich noch ausgesät werden konnte und gewachsen wären.
Dann ein Wirsingrolllädchen, das es in sich hat. Rauchige Rote Bete, Rote Bete Speck, Rote Bete Mousse.

Als ersten Vorspeisengang kredenzt man uns Rosenkohl mit Schwarzer Walnuss, süßsauer eingelegten grünen Tomaten, fermentierten Brokkoliblüten, etwas gedämpften Brokkoliröschen, frittierten Salbeiblättern und ein paar wilden Kräuterlein.
Weiter geht es mit einem Minikarotten- Schiffchen (die kleine Möhre sieht wirklich aus, wie gerade aus dem Boden gezogen) auf dem sich Variationen vom Mangold türmen - eingelegt, gedämpft, sautiert, mariniert.
Den Abschluss der ersten Vorspeisenreihe macht ein umamischer Rotkohl, glaciert und gebacken, der seinesgleichen in hauchzart gehobelter Form zur Begleitung hat, mit Rote Bete Carpaccio kombiniert daher kommt und in einer Wurzelbratensauce serviert wird.
Wir sind schon jetzt im siebten Himmel!

Zwischengang: Frittierte Zwiebelpraline mit Austernpilzfarce. Aromatisiert mit geräuchertem Essigbaum.

In der zweiten Vorspeisenrunde kommen wir in den Genuss von Topinambur. Als Mousse, superkross im Ofen gebacken und als knusprige Chips kommt er daher. Begleitet von Shiitakepilzen, einem deftigen Pilzsud und knusprigem Buchweizen.
Wacholderbeeren rundeten das Ganze fruchtig ab.
Mehr Geschmack kann man wohl kaum in eine kleine Schüssel bringen.
Anschließend gab es Süßkartoffeleis auf Kartoffelchips, Süßkartoffelmousse mit Kartoffelstroh und dazu gebackene, rauchige Pimentos.

Die erhitzten Gaumen werden mit einem sauer-erfrischendem Sorbet aus Verjus beruhigt. Dieses auf Quittenchutney und unter Quittenchip. Eine Explosion auf der Zunge.

Der Hauptgang besteht aus Klettenwurzeln, würzig glaciert und schonend gebacken, an winterlichen Linsen (wieder viel Umami), kleinen Pilzen, obenauf Schwarzkohlstroh und Knoblauchrauke.
Ein Gedicht!
... ich bin satt und zufrieden! Sehr zufrieden ....

Zum Abschluss genießen wir Fichteneis mit sprossenden Fichtennädelchen auf Tannenharzschaum, gedünstetem Kürbis und Haselnusscrunch. Wunderbar geschmeidig auf der Zunge, nicht zu süß und trotzdem für den süßen Zahn.

Es ist inzwischen elf Uhr und über dem Main beginnen schon die ersten Raketen bunten Feuerregen in den Nachthimmel zu spritzen.

Spritzig wird es auch bei uns. Die Stimmung steigt, der Zwetschgenschnaps, mit dem ich auf das köstliche Menü anstoße, steckt an. Alle trinken mit. Wir stoßen auf den Abend an. Unser charmant-charakterstarker Kellner läuft zu Hochform auf. Endlich huldigen sie dem Alkohol, denkt er und schenkt uns großzügig Champagner nach. "Gleich ist es soweit - seien Sie gut vorbereitet!".
Wir müssen schmunzeln.

Mit Wunderkerzen und in familiärer Atmosphäre drinnen und viel Traraaaa vor dem Fensterglas draußen rutschen wir ins neue Jahr.

Auf 2019! Zum Wohl!